Auf den Punkt gebracht: Wer sich im Winter Zeit nimmt
an seiner Lauftechnik zu arbeiten, wird im Sommer mit
schnelleren Zeiten und weniger Schmerzen belohnt.

Viele werden sich noch an die Bilder einer Auflage des Ironman
Hawaii erinnern, als der deutsche Jürgen Zäck, in Führung liegend,
mit dem damals leichtesten Schuh auf dem Markt, dem „Nike Mayfly“ (135gr.) im Staccato-Schritt auf dem Mittelfuß über die Marathonstrecke zu schweben schien. Hatte man ihn doch ganz anders aus früheren Jahren in Erinnerung, als sein Laufstil eher schwerfällig wirkte. Was war passiert? Er hatte seinen Laufstil – wegen einer Verletzung – von einem Fersenlauf zu einem aktiven Laufstil geändert, bei dem er den Erstkontakt mit dem Boden auf dem Mittelfuß hatte. Weil dabei der Aufprall und die Dämpfung nicht über einen großen Sohlenaufbau von statten ging, sondern über die Fuß – und Wadenmuskulatur abgefangen wird, konnte er auf einen entsprechend leichten Laufschuh zurückgreifen. Auf der Ironman-Distanz war er einer der ersten, die diese Technik einsetzten. Diese Technik ist unter verschiedenen Fachausdrücken zu finden, aktiver Laufstil ist eine davon. Noch bekannter sicherlich unter dem Wording Pose Running by Dr. Romanov.

Es fällt natürlich niemandem leicht, der schon Tausende an Kilometern über die Ferse abgerollt ist, seinen Laufstil zu verändern.

Trotzdem ist es in jeder Vorbereitungsphase eines Trainingsjahres essentieller Bestandteil meiner Trainingspläne, die Lauftechnik auf einen aktiven Laufstil hin zu verändern. Wenn Sie der Meinung sind, er sei Ihnen bereits in Fleisch und Blut übergegangen, sollten Sie zu Beginn eines jeden Trainingsjahres ein entsprechendes Techniktraining in Ihr Lauftraining integrieren, um diesen Stil zu verfeinern und weiter zu verfestigen. Was steckt dahinter? Der aktive Laufstil beinhaltet einen kurzen Schritt vor dem Körperschwerpunkt, also in Ihrem direkten Blickfeld. Lange Schritte vor dem Körperschwerpunkt, bei dem auch noch der Unterschenkel nach vorne greift, ist unökonomisch und den Sprintstrecken vorbehalten.

Ziel des Laufstils muss es sein, so viel Bewegungsenergie wie möglich in die Bewegung nach vorne umzusetzen. Das bedeutet, dass
vertikale Bewegungen minimiert werden sollen.

Würden Sie wie eine Straßenbahn unter einer Kontaktleitung einher laufen, müsste im Idealfall Ihr Kopf während des Laufens immer den gleichen Abstand zu besagter Leitung haben. Dann können Sie sicher sein, dass Ihre Bewegungsenergie im größtmöglichen Umfang nach vorne umgesetzt wird. Ein weiterer Vorteil des kurzen Schrittes vor dem Körperschwerpunkt besteht darin, dass dadurch wenig Bremswirkung entsteht. Zählen Sie Ihre Schritte.

Wenn Sie, tempounabhängig, eine Frequenz von 88-92 Schritten/Bein in der Minute erreichen, werden Sie sicher einen aktiven Laufstil umsetzen können.

Dabei hilft die Vorstellung Sie würden barfuss über heiße Kohlen laufen. Dieses Bild sorgt für ein schnelles Lösen des Fußes vom Boden und einer entsprechenden kurzen Kontaktzeit. Sie sollten daher im gesamten Jahresverlauf Ihre Schrittfrequenz kontrollieren und immer mal wieder im Lauftraining eine „Stichprobe“ einlegen und sich für eine Minute auf das Zählen der Frequenz konzentrieren. Ein langer Schritt vor dem Körperschwerpunkt, auf der Ferse aufkommend, ist wie ein Stützschritt und wirkt hemmend und bremsend. Der lange Schritt entsteht hinter dem Körperschwerpunkt, außerhalb Ihres Blickfeldes. Dadurch, dass Sie den Erstkontakt mit dem Mittelfuß – ich betone besonders: Mittelfuß! – und nicht Fußspitze Vorderfuß wie bei den Sprintern, dadurch also, dass Sie zuerst mit dem Mittelfuß den Boden berühren und nur für eine Millisekunde danach noch mit der Ferse Kontakt zum Boden haben, erreichen Sie eine kurze Bodenkontaktzeit und können den Fuß aktiv nach hinten ziehen. So entsteht der lange Schritt hinter dem Körperschwerpunkt.
Die Sensibilität für den Fußaufsatz müssen Sie sich erarbeiten. Dies erreichen Sie nur, wenn Sie den entsprechenden Schuh einsetzen.

Verzichten Sie auf üppig gedämpfte Modelle und greifen Sie zu Neutralschuhen mit flachem Sohlenaufbau die Sie spüren lassen auf welchem Bereich des Fußes Sie aufsetzten und den Erstkontakt mit dem Boden haben.

Der aktive Laufstil entlastet vor allem auch die Bandscheibe und die
Kniegelenke. Neben schnelleren Laufzeiten dankt es der Körper mit
weniger Verschleißerscheinungen und Gelenkschmerzen.