Erster WM Titel mit 2 Jahren Anlauf.

Nach meinem für mich damals frustrierenden 5. Platz bei der WM in Cancun/Mexico 2002 sollte es auf Madeira endlich klappen, ich wollte Age Group Weltmeister werden. Ich hatte im Training mit neuen Einheiten experimentiert. Bei einer dieser Einheiten stellte ich mir meine Radrolle an den Beckenrand, schwamm 200 Meter mit maximalem Tempo, wechselte sofort aufs Rad und fuhr vier Minuten ebenfalls am obersten Leistungslimit. Dabei simulierte ich den ersten, mit 14 Prozent sehr steilen Berg, der mich auf der WM-Strecke auf Madeira erwarten würde. Nach einem Durchgang machte ich acht Minuten passive Pause und wiederholte das Ganze noch drei Mal. Bei der anderen Koppeleinheit stellte ich meine Radrolle in die Garage, fuhr fünf Minuten wieder nahe an der oberen Leistungsgrenze, simulierte dabei die letzten vier Kilometer des WM-Parcours und wechselte anschließend sofort zu einem 1.000 Meter Lauf in einem Tempo von unter drei Minuten. Auch hier gönnte ich mir acht Minuten Pause und setzte noch drei weitere Wiederholungen drauf.

Eine Woche vor der WM, bei den Deutschen Duathlonmeisterschaften in Backnang, reichte es für mich nur zu einem enttäuschenden 6. Platz. Natürlich hatte ich mich im Training auf die WM konzentriert, aber ein solch schlechtes Ergebnis hatte ich nicht erwartet. Für mein Selbstbewusstsein war das alles andere als förderlich. Ich vermutete die Ursachen in zu wenig Training oder in einem falschen Trainingsaufbau, realisierte aber nicht, dass die anstrengende Arbeitswoche, unmittelbar vor dem Wettkampf, maßgeblich zu meinem schlechten Abschneiden beigetragen hatte. Das erkannte ich aber nicht rechtzeitig. Immer noch dachte ich, der Misserfolg wäre auf zu wenig Training zurückzuführen und war in den letzten Tagen vor der WM entsprechend verunsichert.Diese Verunsicherung führte plötzlich dazu, dass ich mich auch noch zu schwer und zu fett fühlte. Zwei Tage vor dem Wettkampf verzichtete ich einen Tag lang, bei vollem Trainingsumfang, komplett auf Nahrung. An diesem Tag verlor ich folgerichtig dann auch zwei Kilogramm und fühlte mich am Abflugtag sehr fit und mental stark. Auch weil ich stolz darauf war, einen Tag ohne Essen durchgehalten zu haben. Natürlich ist so eine „Hau-Ruck“-Methode weder gesund noch für jeden empfehlenswert. Aber sie wirkte bei mir in diesem Fall hervorragend und brachte mir das Körpergefühl, das ich brauchte, um erfolgreich zu sein. Dass ich mich stark mit meinem Körpergewicht beschäftigte, ist nicht außergewöhnlich. Zwar vertilgt man riesige Mengen an Nahrungsmitteln und an Kalorien. Trotzdem muss man auf einen niedrigen Körperfettgehalt achten. Diese dauernde Disziplin fällt wohl niemandem besonders leicht.

Als der Startschuss auf Madeira fiel, fühlte ich mich sofort wieder an die vergangene Weltmeisterschaft in Cancun erinnert. Direkt, im Gerangel am Start, erhielt ich wieder einen Schlag auf die Brille. Ich hatte gerade im Schwimmen so viel trainiert, dass ich auf keinen Fall wieder einen Rückstand, wie in Mexiko, hinnehmen wollte. Ich wurde wütend und bekam einen so starken Adrenalinausstoß über diese erneute Prügelei am Start, dass ich, bis zur ersten Wendeboje nach 750 Metern, Kontakt zur Spitzengruppe halten konnte. Beflügelt durch diese gute Leistung im Wasser, meiner eigentlich schwächsten Disziplin, konnte ich diesen Kontakt bis zum Ende der Schwimmstrecke nach 1.500 Metern halten. Das kraftbetonte Schwimmen im sehr welligen Meer war ein enormer Vorteil für mich gewesen. Die wenigen Sekunden Rückstand, die mich von den Plätzen eins bis drei trennten, beunruhigten mich nicht. In der Wechselzone konnte ich sehr schnell auf das Rad wechseln und auf dem schweren Kurs, mit schnellster Radzeit, allen davon fahren. Ich merkte, dass dies meine Stunde war. Ich fühlte mich leicht, gleichzeitig stark – und hatte den optimalen Wettkampftag erwischt. So raste ich förmlich die Berge hinauf. Konzentrierte mich bei den Abfahrten und legte immer mehr Zeit zwischen mich und meine Verfolger. Mit deutlichem Vorsprung gelangte ich in die Wechselzone. Die abschießenden zehn Kilometer Laufen, sollten mir nun den Sieg bringen – alles andere hätte mich nicht mehr zufrieden gestellt. Leider waren meine Konkurrenten aus Neuseeland und Irland außergewöhnlich gute Läufer, die in den ersten drei Kilometern der Strecke sogar ein Stück weit aufholen konnten. Ich schaffte es aber, mein hohes Tempo zu halten und konnte mit einem beruhigenden Abstand meinen ersten Weltmeistertitel erzielen. Um es mit Oliver Kahns Worten zu sagen: „Da war das Ding!“

Seit Mexico 2002 hatte ich dieses Ziel vor Augen. Jetzt hatte ich es realisiert! Die Siegerehrung am Abend war ein erhebender Moment. Es war der bis dahin schönste Tag in meinem Sportlerleben! Eine unglaubliche Selbstbestätigung und eine riesige Freude. Dieses Gefühl, eine harte Vorbereitung, eine zweijährige Fokussierung, mit dem Optimum abzuschließen, kann ich nicht einmal heute in Worte fassen.

Results Sheet

ATHLETE FIRSTATHLETE LASTNATIONALITYSWIMT1BIKET2RUNPOSITIONTOTAL TIME
ClaudiusPyrlikGER00:19:2100:02:4501:08:2100:02:0400:30:08102:02:38
ChrisMcateerNZL00:20:1700:02:3501:08:5500:01:4300:30:53202:04:20
TrevorWoodsIRL00:20:5200:02:4601:08:1400:01:5000:31:17302:04:57
GeoffHanckelAUS00:19:4200:02:4001:10:3800:01:3700:31:21402:05:57
StewartCampbellAUS00:22:1200:02:5001:07:1400:01:5300:32:56502:07:04
J.j.BaileyUSA00:21:1700:02:4501:09:3600:02:0700:31:57602:07:40
MichaelIngardiaUSA00:19:1700:03:1001:10:3500:01:5800:33:15702:08:15
AlistairBrownGBR00:20:5600:02:4301:10:1000:01:4900:32:46802:08:24
RichardDanielsGBR00:21:0700:02:5301:11:5600:01:3500:31:10902:08:38

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