Nele Dönneweg und Andy Dietrich haben oder hatten große Pläne für die Triathlonsaison 2020. Wie sie mit den Absagen, Einschränkungen und Unsicherheiten umgehen berichten sie hier.

Ein Ironman Rennen nach dem anderen wird abgesagt oder verschoben. Gleiches gilt für die Challenge Serie deren Zugpferd, die Challenge in Roth heute komplett für 2020 gestrichen wurde. Ein Paukenschlag für die Szene. Die 2 großen Ironman Events in Deutschland, Hamburg und Frankfurt stehen noch unverändert im Rennkalender. Nele plante mit Hamburg. Der größe Frühjahrs Showdown in Südarfrika wurde bereits abgesagt, was vor allem Andy hart traf der sich auf das Rennen vorbereitet hatte.

Nele Dönneweg: „Sportlerin zu sein in Zeiten von Corona…. „Die heimischen Sportler müssen wegen der Coronavirus-Pandemie eine langfristige Pause einlegen.“ – Nein, so ist es absolut nicht! Außergewöhnliche Situationen erfordern eben auch außergewöhnliche Maßnahmen bzw. fördern die Kreativität. Das Coronavirus zwingt uns zwar auf soziale Kontakte, den Besuch von Schwimmbädern, Fitnessstudios und das öffentliche Leben zu verzichten. Es ist auch vollends nachzuvollziehen, dass Sportler mit Gefühlen und Zuständen wie Angst, Unsicherheit, Wut und Aggression auf Wettkampfabsagen bspw. reagieren. Nicht wenige plagen sich auch mit dem Zustand, dass sie ohne Wettkämpfe schlicht nicht abliefern oder auch einmal Dampf ablassen können. Das berührt sogar ihre Identität, ja ihr Selbstverständnis. Ich persönlich versuche das ganze nicht allzu nah an mich heranzulassen bzw. die positiven Seiten aus der omnipräsenten, ungewohnten, doch erschreckenden, bisher nicht realitätsnahen Situation zu ziehen: Auch wenn ich fast schon davon ausgehe, dass der IRONMAN Hamburg, auf den ich nun schon ein halbes Jahr gezielt hintrainiere, abgesagt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird, trainiere ich zielstrebig weiter. Das Lied „Erfolg ist kein Glück“ von Kontra K motiviert mich besonders in einer Zeit wie dieser. Hier heißt es „Da wo sie scheitern, musst du angreifen, in einen höheren Gang schalten. Und auch wenn der Rest dann aufgibt, heißt es festbeißen. Dranbleiben, anspannen und standhalten!“ …genau darum geht es: In schwierigen Situationen und Zeiten festzubeißen, dranzubleiben und standzuhalten! Viele lassen das Negative zu nah an sich heran und brechen alles ab, ja- geben sich selbst auf! Ein wahrer Sportler ist aber eben ein Kämpfer, der so schnell nicht aufgibt! Es gibt immer noch Möglichkeiten gerade als Triathlet/in in Coronazeiten zu trainieren: Rollentraining kann -gerade mit Zwift Companion- enorm Spaß machen, zuhause einen Stabi- und Kraftzirkel in den Alltag einbauen, zahlreiche Online-Workouts durchzuführen, Zugseiltraining… Wir dürfen nicht steif werden in so einer Zeit- vergesst nie, wie schwierig es ist nach einer Pause wieder ins Training zu kommen… Man nimmt in dieser Zeit bestimmte Dinge viel viel bewusster war, genießt die leeren Straßen, die außergewöhnliche Stille im Wald viel intensiver. Ich nutze die Zeit, um die Ruhe und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu behalten. Resilienz-Training stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und verleiht Ruhe…, somit ist Resilienz die Fähigkeit auch bei widrigen Umständen sich gut zu entwickeln, zu gedeihen, gute Lösungen zu finden. Der Umgang mit aufeinanderfolgenden Negativerlebnissen (kein gewohntes Training und Wettkämpfe, fehlende soziale Kontakte, negativen Meldungen aus den Medien etc.),ist oft ein sehr persönlicher Einschnitt und erfordert gerade diese positive Einstellung! Man darf sich davon nicht herunterziehen lassen. „Es soll alles so sein, alles hat einen Sinn“ ist ein persönlicher Spruch meinerseits, den ich mir oft leise einrede, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Auch die Krise hat – wenn es sich aktuell auch noch blöd anhört- positive Seiten: Es entschleunigt die Gesellschaft, die Erde, die Umwelt, die Welt! Wir müssen diese Zeit nutzen um gewisse Dinge mehr zu schätzen, die wir als selbstverständlich hinnahmen! Wir dürfen (diesen großartigen) Sport ausüben, sind gesund, haben eine wunderbare Landschaft, haben das Privileg die Elemete der Erde durch den Sport näher zu erleben, den Geist mit unseren körperlichen Fähigkeiten zu besiegen,…. Deswegen sollten wir nicht aufgeben, alles hinschmeißen, alles negativ sehen – Sondern das positive entdecken! Wer sich während einer solchen Unterbrechung seine persönlichen Ziele vor Augen führt, kann neue Trainingsmotivation aufbauen. Und dies ist in diesen Tagen wichtiger denn je. Auch tägliche Ziele können in einer solch schwierigen Zeit eine fördernde Maßnahme sein, um täglichen Antrieb zu geben. Deswegen ist es wichtig, mir durch einen gezielten Trainingsplan Struktur zu schaffen. Aber auch eine To-do Liste für jeden Tag hilft: Terrasse putzen, mindestens zehn Klausuren korrigieren, gesund kochen, …. Man kann die Zeit hervorragend nutzen, um neue Kochideen umzusetzen oder sich auch fachwissenschaftlich in das doch existenzielle System der Sporternährung einzulesen! Dies hat zwar sicher jeder Sportler schon einmal gehört, aber wer hat es schon angewendet? Wenn nicht jetzt genügend Zeit für so etwas ist, wann dann? Diese Zeit ist eine Chance für Sportler über Visualisierungen an eigenen Fertigkeiten und Fähigkeiten zu arbeiten. Holt die Arena also auf eure Couch und in euren Kopf und versetzt euch in krasse Wettkampfsituationen! Wenn ihr das richtig anstellt, ist die Kraft, die die Simulation entfaltet, stärker als durch körperliches Training. Stellt euch taktische Maßnahmen vor oder übt sportartspezifische Bewegungen. Hier eignet sich besonders ein Zugseil für die spezifische Ausübung von bspw. dem hohen Ellenbogen. Auch Stabiübungen mit besonderem Blick auf die Stärkung der doch so wichtigen Rumpfmuskulatur sind hier super. Für die Visualisierung kann man regelmäßige Meditationen miteinbauen – diese können enorm helfen mit dem aktuell jeden belastenden psychischen Druck umzugehen. Dies hat zwar sicher jeder Sportler schon einmal gehört, aber wer hat es schon angewendet? Wenn nicht jetzt genügend Zeit für so etwas ist, wann dann? Das erzwungene Wettkampf Time-Out ist sehr gut dazu geeignet an der Selbstreflexion zu arbeiten. Intendiert wird hierbei, vergangene Wettkämpfe zu analysieren, die eigene Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung zu reflektieren, eine ehrliche Einschätzung der eigenen Stärken und Schwächen vorzunehmen und Lern- und Entwicklungsfelder für die Zukunft zu definieren. Dies hat zwar sicher jeder Sportler schon einmal gehört, aber wer hat es schon angewendet? Wenn nicht jetzt genügend Zeit für so etwas ist, wann dann? Emotionsregulation z.B. über Atemtechniken analog zur atemzentrierten Meditationen sowie sogenannte Pendelübungen, pendeln zwischen den Emotionen und rationalen Sachbeschreibungen, in diesem Falle mal: “Raus aus der Emotion, hinein in die Wahrnehmung und den Kopf”. Hierbei geht es um die gezielte Steuerungen des Erregungsniveaus, welches nachhaltig die Wahrnehmung beeinflusst. Klassische Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung bis hin zur Selbsthypnose… Dies hat zwar sicher jeder Sportler schon einmal gehört, aber wer hat es schon angewendet? Wenn nicht jetzt genügend Zeit für so etwas ist, wann dann? Nutz die Zeit bewusst und sinnvoll und sei dankbar für das, was du hast!“

Andy Dietrich: „Natürlich war ich nach der Absage (Ironman Südafrika) ein paar Tage enttäuscht, jetzt bin ich aber auch schon wieder darüber hinweg und schaue nach vorne. Die Absage war natürlich eine vollkommen richtige Entscheidung und absolut verständlich. Ich habe mir nach der Absage eine kurze Trainings Pause gegönnt um mental wieder aufzutanken. Mittlerweile kann ich mich aber wieder aufs Training konzentrieren, auch wenn ich noch kein neues Rennen geplant habe – Ironman Hamburg könnte eine Option sein. Natürlich ist das Training im Moment ein bisschen eingeschränkt, für mich aber kein großes Problem. Anstatt zu schwimmen trainiere ich im Moment mit Zugseilen und ich habe ein paar Gewichte fürs Krafttraining zuhause. Radfahren und Laufen ist bei mir im Moment noch nicht eingeschränkt.“